Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.
Zitat: Niccolò Machiavelli (1469-1527), "Mensch und Staat", Kap. 7: Das Heer, 7.3 Der gerechte Krieg. Ausgewählt und hrsg. v. Matthias Jonasson. Deutsch von Johannes Ziegler. Insel-Verlag 1940;Quelle: Projekt Gutenberg
Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg. Falls es da Regeln gäbe, müßte man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da. Da stünde unter andern Sätzen: Laßt Euch nicht von den Eignen täuschen.
Zitat: Christa Wolf, Kassandra. Zitiert nach der Ausgabe des Luchterhand Verlages; Sammlung Luchterhand Bd. 62073, München: Luchterhand, 4. Aufl. 2004, S. 80.Jüngste Edition imSuhrkamp-Verlag
Inhalt
Anmerkungen
Quelle
Prolog
Prolog zum zeithistorischen Ukraine-Teil der Lesung;
WARNUNG: ich ziehe Dich auf die Gefühlsebene u. ´verpasse´ Dir einen historischen Schockmoment ⚠️
unsere Großväter rsp. Urgroßväter antizipieren "Once Upon A Time In The East" und entfalten auf russischem resp. sowjetischem Boden die ´segensreiche´ Wirkung ihres Arier-Spiels ... definitiv nichts für zartbesaitete Seelen!
Fünf Grundregeln der Betrachtung internationaler Politik
audiatur et altera pars (höre Dir an, was die andere Partei zu sagen hat!)
lerne in den Schuhen des Anderen zu gehen (lerne u. versuche zu verstehen, wie der Andere ´tickt´!)
folge der Evidenz, nicht der Eminenz (d.h. renne nicht blind den Autoritäten hinterher!)
kehre zuallererst vor Deiner eigenen Haustüre (denn i.d.R. hast Du genügend eigene Leichen im Keller liegen!)
stelle Dir die spiegelbildliche Situation vor (s.u. ´Best Practice 2´)
6te Grundregel außenpolitischer Betrachtungen
Geschichte! Geschichte! Geschichte! ... studiere sie so umfänglich, wie es Dir möglich ist!
bringe die Ereignisse auf die Zeitachse: Wer hat wann wie gehandelt? ... und gehe dann immer weiter in der Zeitachse zurück!
denn es gilt: In der Politik fällt kein Konflikt einfach so vom Himmel! ... schon gar nicht in außenpolitischen resp. internationalen Angelegenheiten!
Best Practice 1
Leicht zu verstehende und alltagstaugliche Prinzipien aus drei ´Systemwelten´ bieten einen hilfreichen Leitfaden:
Prinzip der Jurisdiktion, i.e. Rechtsprechung: → kein Urteil ohne Anhörung beider Verfahrensparteien!
Prinzipien der christlich-abendländischen Moralphilosophie: → empathisch sein! → wir behandeln den Anderen genau so, wie wir auch selbst behandelt werden möchten! 1) → warum suchen wir den Splitter im Auge des Anderen und sehen den Balken in unserem eigenen nicht?
Prinzip der Wissenschaftlichkeit: → der Empirie allen Raum geben, der ihr gebührt! → die Beobachtung des "Was ist?" dämpft unsere Affekte und bildet die Voraussetzung für ´langsames Denken´; → Vertrauen in ´höhere Instanzen´ (Eminenz) ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems!
1)abgeleitet aus dem kategorischen Imperativ Immanuel Kants: "Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst." (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Akademie-Ausgabe Kant Werke IV, Walter de Gruyter 1968, S. 429, 10-12)
Best Practice 2
Stelle Dir die spiegelbildliche Situation vor:
in der Betrachtung internationaler Konflikte läuft man grundsätzlich Gefahr, mit doppelten Standards zu messen;
die Beschreibung der spiegelbildlichen Konstellation des Konflikts ist eine hervorragende Methode, diesem Dilemma auszuweichen;
d.h. man beschreibt die IST-Situation so abstrakt als möglich und tauscht dann die Namen und geostrategischen Bezüge der beteiligten Konfliktparteien aus; Beispiel:
IST: die NATO erweiterte in der Vergangenheit ihr Bündnisgebiet bis an die Grenzen Russlands und beabsichtigt, mit der Einverleibung der Ukraine den sog. Cordon Sanitaire an Russlands Westflanke zu schließen (= altbekannte Containment-Strategie);
SPIEGELUNG: China schmiedet ein Militärbündnis mit Mexiko und Kanada;
Frage: Wie würden die USA wohl reagieren?
Antwort: Niemals und unter keinen Umständen würden die USA eine derartige chinesische Intervention in die unmittelbar angrenzende Sphäre imperialer Dominanz dulden! Never ever! Tangiert sind nämlich die sog. "Tiefen Sicherheitsinteressen" der USA, und diese sind nicht verhandelbar;
Logische Schlußfolgerung bzgl. der IST-Situation: Niemals und unter keinen Umständen wird Russland eine gleichgeartete US-amerikanische Intervention innerhalb seiner Sphäre imperialer Dominanz dulden! Never ever! Tangiert sind nämlich die sog. "Tiefen Sicherheitsinteressen" Russlands, und diese sind nicht verhandelbar. That's it! Punkt!
Filmausschnitt: Elem Klimov, Komm und sieh (UdSSR 1985, Dorfszene)
WARNUNG: Mit diesem hier präsentierten Filmausschnitt könnten zarter besaitete Seelen in eine tiefe emotionale Not geraten ⚠️
Zu sehen ist die filmische Rekonstruktion eines traumatisierenden Schockereignisses der Geschichte des 20. Jhs.; es liegt gerade mal eine durchschnittliche Lebensspanne zurück.
Der sowjetische Regisseur Elem Klimov inszenierte im Jahr 1985 den Kinofilm "Komm und sieh" («Иди и смотри») ... wir sehen daraus einen 7-minütigen Ausschnitt.